
Es ist ja ein Klassiker: Für das neue Jahr nehmen sich viele Menschen vor, ein wenig abzuspecken und etwas für die Fitness zu tun. Erfahrungsgemäß lässt die Motivation dazu aber schon gegen Ende Januar ab. Das sieht ganz anders aus, wenn man den Plan mit einem Fitness-Gadget unterstützt. Inzwischen gibt es eine breite Palette ganz verschiedener Geräte, die am Handgelenk getragen werden und messen, was der Träger so im Rahmen seines Sportprogramms leistet.
Alles eine Systemfrage
Oft ist von „Fitness-Armbändern“ die Rede und nicht selten werden diese Dinger auf ihre Funktion als Schrittzähler oder Streckenmessgeräte reduziert. Dabei ist das nur die allerunterste Ebene der computerunterstützten Fitness. Die zudem auch ganz ohne Armband nur mit dem Smartphone in der Hosentasche zu realisieren ist. Apps wie Runtastic oder Google Fit nutzen den Bewegungssensor und das GPS-Modul und können so ermitteln, ob und wie viel sich der Inhaber bewegt hat. Vielen Joggern reicht das. Zumal sie ihr Smartphone möglicherweise ohnehin beim Laufen bei sich haben, um Musik zu hören. Dasselbe leisten übrigens auch alle momentan am Markt erhältlichen Smartwatches auf die eine oder andere Weise.
Wer sich aber rundum von der Elektronik unterstützen lassen möchte, der sollte weniger nach einem bestimmten Aktivitäts-Tracker – so nennt man diese Sorte Geräte auch - Ausschau halten, sondern sich mit den dahinterstehenden Systemen und Plattformen befassen. Denn Messungen vorzunehmen und Daten zu erfassen, ist ja nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die sich daraus ergebene Statistik, die sich aus den erfassten Daten über die Zeiträume ergibt. Bei den meisten Anbietern werden die Messwerte in eine Cloud übertragen, von der aus sie dem Sportler auf verschiedenen Wegen über verschiedene Endgeräte zur Verfügung gestellt werden. Weil das so ist, vertragen sich Geräte verschiedener Hersteller nur sehr schlecht miteinander, was die gemeinsame Auswertung erschwert oder gar unmöglich macht.
Momentan kooperieren die Geräte der führenden Hersteller Polar, Garmin, Fitbit, Jawbone und Withings nur sehr bedingt. Ob sich in Kürze ein gemeinsamer Standard herausbildet, ist fraglich.
Jede Menge Parameter
Die besagten guten Vorsätze beziehen sich meist auf zwei Kriterien: Gewicht und Kondition. Bei den Pfunden beginnt die Kampagne damit, die von der Waage angezeigten Werte zu erfassen. Das geht zum Beispiel mit einer Wlan-Waage, die ihre Ergebnisse per Wifi an den Computer liefert, wo sie tabellarisch erfasst werden. Diese Statistik lässt sich mit einem Kalorientagebuch kombinieren; beides zusammen zeigt nach einigen Wochen, woher die Kilos kommen und warum sie nicht wieder schwinden.
Jedem, der schon einmal ernsthaft versucht hat abzunehmen, ist klar, dass sowohl die hereinkommenden, als auch die verbrauchten Kalorien ermittelt und überwacht werden sollten. Und da kommen die eingangs erwähnten Fitness-Gadgets ins Spiel. Allein schon aus den täglich gegangenen, gelaufenen oder per Rad gefahrenen Strecken können sie – zumindest ungefähr – den Kalorienverbrauch ermitteln. Leider gibt es bis dato kein System, das elektronisch ermitteltes Gewicht, Esstagebuch und gemessenen Kalorienverbrauch auf einer Plattform zu bündeln in der Lage sind. Dieser Abgleich muss daher manuell vorgenommen werden.
Viele Fitness-Armbänder sind in der Lage, laufend den Puls zu messen. Besonders präzise kann das am Handgelenk nicht funktionieren, aber in der Regel lässt sich so checken, ob man sich beim Training im aeroben, kalorienverbrennenden Bereich bewegt. Sind aber auch Kondition und Ausdauer das Ziel des Programms, empfiehlt sich ein Brustgurt, der deutlich genauere Werte liefert. Einige der gängigen Fitness-Armbänder sind kompatibel zu solchen Gurten und können deren Signale abgreifen und erfassen.
Vergleichstest zeigen leider, dass die von den verschiedenen Fitness-Trackern ermittelten Werte leider teils drastisch voneinander abweichen. Das hört sich schlimmer an als es ist, weil ganz exakte Werte mit den vorhandenen Sensoren gar nicht möglich sind. Ob die Tagesbilanz nun als 9.900 oder 10.100 Schritte angezeigt wird, ist im Endeffekt unerheblich. Besonders skeptisch sollte man bei den errechneten Kalorien sein, die angeblich verbrannt wurden. Jedes System setzt dabei auf andere Formeln, und abweichen Aktivitätswerte in Verbindung mit dieser oder jener Rechenmethode können zu extrem unterschiedlichen Kalorienwerten führen.
Ziele müssen gesetzt werden
Sofern nicht ein Arzt hinter dem ganzen guten Vorsatz steht und der dem Anwender aufgegeben hat, sportliche Werte zu messen, dient das ganze Datenmaterial, das die Fitness-Gadgets erzeugen, vor allem der Motivation. Natürlich legt jeder beim Nordic Walking noch eine Schippe drauf, wenn das Fitness-Programm aufmunternde Ergebnisse meldet. Selbstverständlich wird der Abspeckwillige noch eine Runde mehr radeln, wenn sich zeigt, dass er immer noch mehr Kalorien zu sich nimmt als verbrennt. Und wenn nach drei Monaten regelmäßigem Training der Puls auch nach dem Sprint noch im grünen Bereich bleibt, dann spornt das jeden an.
Folglich müssen gleich am Anfang des guten Vorsatzes Ziele gesetzt werden. Für Bewegungsallergiker, die das ändern wollen, ist es beispielsweise ein realistisches und an sich schon gesundheitsförderndes Ziel, täglich mindestens 10.000 Schritte gegangen zu sein. Diese Zielwert kann man auf dem Fitness-Armband festlegen und wird dann vom Gerät aufgemuntert, wenn man kurz vorm Ziel ist, gelobt, wenn man es erreichte und gefeiert wenn man es überboten hat. Nach diesem Prinzip können für alle Messwerte – auch verbrannte Kalorien, Pulswerte und auch das Gewicht selbst – Ziele definiert und der Weg dahin verfolgt werden.
Und wer stolz auf seine Leistung ist und das seinen Freunden zeigen will, greift zu einem System, mit dem das Veröffentlichen ausgewählter Werte – besonders bekannt ist dies bei Runtastic – auf Facebook möglich ist.