Das waren noch Zeiten als Fallschirmspringer mit Google-Brillen direkt vor dem Gebäude landeten, in dem die Entwicklerkonferenz des Datenriesen stattfand. Dieses Jahr hatte die Google I/O einen eher nüchternen Anstrich. Mag sein, dass es daran lag, dass die Google Glasses mausetot sind und der Konzern derzeit keine verrückten oder aufregenden Neuigkeiten zu bieten hat.

Neues in Android M

Was sich nach Langeweile anhört, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Sammlung sehr anwender-orientierter Entwicklungen und Verbesserungen. So dürfen sich die zig Millionen User auf die kommende Android Version freuen, die – wie bei Google üblich – mit dem nächsten Buchstaben des Alphabets gekennzeichnet ist: M. Zwei Neuerungen stechen hervor. Endlich müssen Anwender bei Apps nicht mehr alle geforderten Genehmigungen auf einmal annehmen (oder ablehnen), sondern können einzeln zustimmen. So kann man Apps, die beispielsweise keinen Zugang zu den gespeicherten Kontakte brauchen, die entsprechende Genehmigung verweigern. Werden gewünschte Zugriffe nicht akzeptiert, die für das Funktionieren der App notwendig sind, gibt es eine entsprechende Meldung.

Spannend wird die neue Doze-Funktion, die den Stromverbrauch eines Android-Geräts im Ruhezustand drastisch verringern soll. Der zuständige Google Mitarbeiter sprach davon, dass sich bei Tablets die Akkulaufzeit unter Umständen verdoppeln könnte. Wer sich mit Google Now angefreundet hat, wird zu schätzen wissen, dass sich der persönliche Assistent nicht mehr in den Vordergrund drängt, sondern sich aus anderen Apps heraus aufrufen und wieder wegschieben lässt – eine Eigenschaft, die es in Android Wear bereits gibt. Das bedeutet aber auch, dass man Google Now aus jeder App heraus Fragen stellen kann und Antworten geliefert bekommt.

Stark verbessert: Android Wear

Apropos Android Wear: Auf Smartwatches laufen Apps demnächst autonom, also auch ohne Verbindung zum Smartphone. Außerdem kann man bestimmen, dass eine bestimmte App immer im Vordergrund bleibt – bis man diese Festlegung wieder zurücknimmt. Schon im letzten Update hat Google die Handgelenkbewegung als Geste auswertbar gemacht. Google Fit wird um eine Fülle an weiteren Auswertungen erweitert, die aber teilweise zusätzliche Sensoren an den Smartwatches verlangen. Möglicherweise wird Android Wear der nächsten Generation so die Apple Watch ziemlich alt aussehen lassen.

Ob auch das ebenfalls massiv aufgewertete Google Pay mit Apple Pay mithalten kann, ist für deutsche Anwender zunächst eine akademische Frage, weil beide Systeme entweder noch gar nicht in Europa nutzbar sind, oder nur in Verbindung mit Konten bei bestimmten Banken. Immerhin wird Android M eine Fingerabdruckerkennung beinhalten – diese Funktion gilt unter Experten als Schlüssel für die Akzeptanz des Bezahlen per Smartphone.

Internet der Dinge mit Brillo und Weave

Nachdem Google den Smarthome-Laden Nest gekauft hatte, war klar, dass sich der Suchmaschinengigant auch in das Internet der Dinge einmischen würde. Vorgestellt wurden zwei Elemente dieser Strategie: Brillo ist der Codename für ein Betriebssystem, das auf intelligenten Lampen, digitalen Schließsystemen, Thermostaten und anderen Smarthome-Elementen laufen soll. Dazu passend kommt Weave, eine Familie von Smarthome-Anwendungen, mit denen Brillo-Geräte übers Internet gesteuert werden können.

Ob es Google gelingen wird, hier den Standard zu schaffen, der dem ganzen Thema Smarthome zum Durchbruch verhilft, bleibt abzuwarten. Immerhin handelt es sich hier um ein Gebiet, indem man nicht mit Apple in direktem Wettbewerb steht.

Google Photos: Bilderspeicher für alle!

Bekanntlich gehört Picasa zur Google-Familie, hat aber nicht annähernd die Akzeptanz bei Hobbyknipsern wie Flickr oder gar Facebook. Das soll sich jetzt ändern, denn Google Photos wird aus dem vor sich hin dümpelnden Sozialnetz Google+ herausgelöst und als kostenloser Service angeboten. Das bedeutet konkret: Jeder kann nun eine unbegrenzte Menge an Fotos (max. 16 Megapixel) und Videos (max. 1080p) hochladen und von überall aus ansehen und zeigen. Das allein wäre nicht aufregend, hätte Google nicht einen ganzen Köcher voller Algorithmen am Start, mit denen sich dann einzelne Bilder oder Clips wiederfinden lassen – das lästige Kategorisieren und Verschlagworten kann man sich dann sparen.

Fazit: Alles Gute braucht seine Zeit

Dass die Google I/O wenig spektakulär war und Google nicht haufenweise Innovationen und Neuversionen ankündigte hat nur Vorteile für Otto Normalandender, denn der kann sich auf sinnvolle und ausgereifte Funktionen und Eigenschaften auf allen Ebenen der Google-Welt freuen.

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