Wer je versucht hat, eine International Funkausstellung komplett abzugrasen, ahnt, dass dies eine unlösbare Aufgabe ist. Zu viele Aussteller, zu viele Veranstaltungen, zu viele unterschiedliche Themen rauschen an den fünf Messetagen am Interessenten vorbei. Dabei hat sich die IFA mit ihrer 55. Auflage noch mehr vom klassischen, linearen Fernsehen entfernt, was zumindest die Fülle an Auftritten ein wenig reduziert hat. Dafür gab es neue Produkte in Hülle und Fülle; manche überraschend und interessant, anderen vorhersehbar und langweilig. Alles in allem haben fünf Themen die Messe bestimmt.

 

Virtual Reality: Mehr virtuell als Realität

Natürlich ist es immer wieder spektakulär, wenn Menschen mit großen Helmen in kleinen Räumen umherirren, weil ihnen eine komplizierte Technik vorgaukelt, das was im Display des Hutes zu sehen ist, sei die Realität. Das geht nun schon seit mehr als 20 Jahren, aber die virtuelle Realität rückt nicht näher. Dann können die Experten (und Lobbyisten) noch sehr meinen, VR sei die Zukunft, bewegen tut sich da wenig.

 

UHD-Blu-Ray: Ultrascharfe Scheiben

Immer noch kauft die Mehrheit der Konsumenten, die Filme und Serie vom physikalischen Datenträger aus genießen wollen, die gute, alte DVD. Und dass obwohl brauchbare Blu-Ray-Player für Spottpreise angeboten werden, die Blu-Ray-Scheiben inzwischen auch durchweg preiswert sind und die Qualität einfach eine Klasse besser ist. Und jetzt wird also Ultra High Definition auf dem modernen Datenträger Wirklichkeit. Weil aber gleichzeitig das Angebot beim Video-Streaming immer breiter wird und die Anzahl der Abonnenten bei diesen Diensten rasant wächst, spaltet sich die Gemeinde der Cineasten in Zukunft auf.

Wer wirklich ein Heimkino betreiben und die entsprechende Bild- und Tonqualität vorfinden will, kommt am UHD-Standard weder beim Endgerät (dem Fernseher), noch beim Medium (der Blu-Ray) vorbei. Zumal inzwischen auch diverse Spartensender in UHD-Qualität senden, gestreamte Ware aber de facto über HD erst einmal nicht hinauskommt. Die Menge an Filmen, die auf UHD-Blu-Ray-Disk zu haben ist, bleibt vorerst überschaubar. Bei den TV-Geräten wird sich UHD aber schnell durchsetzen. Und dann kündigt sich mit HDR schon der nächste Trend an.

Ähnlich wie bei der HDR-Fotografie erreicht man mit diesem Standard Bilder von nie dagewesenem Kontrastumfang und einer geradezu irrwitzig breiten Farbpalette. Überflüssig zu erwähnen, dass HDR nur im UHD-Standard möglich ist.

3D-Sound und die Befreiung der Musik

Parallel zum HDR-Wunder entwickelt sich auch die Sound-Wiedergabe weiter. Mehrere Entwickler haben nun 3D-Sound-Systeme am Start, die auch ohne 5- oder 7-Kanal-Lautsprecheranlagen Raumklang erzeugen – am wichtigsten vermutlich Dolby Atmos. So kommt der dreidimensionale Höreindruck auch aufs mobile Gerät. Das iPad pro führt dies mit seinen vier starken Lautsprechern vor.

Überwältigend aber der Zug zum drahtlosen Lautsprecher. Immer mehr Hersteller bieten nun Boxen an, die sich mit der Soundquelle über die eine oder andere Funktechnik verbinden, vorwiegend per Bluetooth. Die Intelligenz findet sich dabei immer öfter in der Verteilung der Musik durch Haus und Garten. So ist es inzwischen Standard, dass verschiedene Drahtlosboxen an verschiedenen Standorten unterschiedliche Songs von derselben oder verschiedenen Quellen wiedergeben können – gesteuert wird dies meist über eine Smartphone-App.

Smartwatches: Mode statt Funktionen

Ganz offensichtlich sind die großen Smartphone-Anbieter beim Thema Smartwatch ein bisschen ratlos. Die Verbreitung hält sich in engen Grenzen, die Begeisterung der Anwender auch. Anbieter wie Apple, Samsung und auch Motorola scheinen anzunehmen, dass die schlauen Uhren einfach nicht ansehnlich genug sind. Und setzen deshalb auf modische Vielfalt. Natürlich sind die neuen Gear-Modelle von Samsung deutlich hübscher als die Watches der ersten Generation. Aber ob ein schöneres Gehäuse und ein Lederarmband Zweifler überzeugen können? Zumal jedes bisschen modischer Chic gleich richtig ins Geld geht. So wird die Gear2 in den hochwertigeren Ausführungen eben nicht um die 200 oder 300 Euro kosten, sondern bis zu 700 – Apple lässt grüßen.

Auch wenn alle Anbieter und alle Systeme massiv auf das Gesundheits- und Fitness-Thema setzen, hat sich die Killer-Applikation noch nicht gezeigt. Im Gegenteil: Die spezialisierten Fitness-Tracker laufen den Smartwatches gerade mit hohem Tempo den Rang ab.

Smartphones: 4K-Video und eine Gigaset-Überraschung

Die vielleicht größte, aber sicher einzige echte Überraschung im Bereich der Mobilgeräte stellt das Smartphone von Gigaset dar. Die Marke ist bisher nur bekannt für ihre DECT-Drahtlostelefone, die in ganz Europa an der Spitze der Verkaufs-Charts stehen. Wie nicht anders zu erwarten glänzt die ME-Serie weniger mit technischen Innovationen als mit höchster Qualität in allen Belangen. So kommt – ähnlich wie beim iPhone 6s – eine besonders haltbare Alu-Legierung zum Einsatz, und das Display wird von Gorilla-Glas der dritten Generation geschützt. Neben dem Einsteigermodell Pure (349 Euro) und dem Standardmodell (469 Euro), die jeweils ein 5-Zoll-Display haben, wird das ME Pro (549 Euro) mit 5,5 Zoll Diagonale angeboten. Die übrigen technischen Daten entsprechen dem Stand der Technik.

Nicht überraschend dagegen das neue Z5-Phone von Sony mit 4K-Display. Im Prinzip ist das Z5 eine entfehlerte und verbesserte Version des Vorgängers; wie zuvor läuft Google Android™ 5.1 (Lollipop) unter der speziellen Sony-Oberfläche. Der Clou aber: Videos können in echter 4K-Auflösung aufgenommen werden. Dabei flitzen die Daten aber dermaßen schnell in solch großen Mengen durchs Gerät, dass es schon mal etwas heiß werden kann. Die meisten anderen Neuvorstellungen bei den Phones gab es ja schon vor der IFA.

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