Die große Apple-Ankündigungsshow im September war zu Steve Jobs‘ Zeiten oft noch ein Event voller Überraschungen. Mittlerweile wissen Experten meist schon Wochen vorher, was Tim Cook und seine Leute und Gäste präsentieren werden. Und trotzdem bleibt es spannend, die Richtigkeit der Vorhersagen zu überprüfen und die Neuigkeiten im Live-Stream zu erleben – vorgestellt von Menschen, die mit Herzblut an den Produkten hängen.

iPhone 6s mit 3D-Touch

Wie immer interessierten sich die meisten Apple-Fans für das neue iPhone. Obwohl klar war, dass der Buchstabe „s“ nicht allzu viele Innovationen mit sich bringen würde. Die gute Nachricht zuerst: Die neuen Modelle werden exakt genauso viel Kosten wie ihre Vorgänger, die weiter lieferbar bleiben und im Schnitt 100 Euro preiswerter sein werden. Apple sagt übrigens voraus, dass viele Mobilfunkanbieter das iPhone 5s an sofort kostenlos bei Laufzeitverträgen anbieten werden. Ob auch das iPhone-Abo Deutschland erreichen wird, ist offen. Beim vorgestellten Modell zahlt man monatlich 39 US-Dollar und bekommt dafür jedes Jahr ein neues iPhone der jeweils aktuellsten Baureihe.

Die neuen iPhones werden nun aus der Aluminium-Legierung 7000 gefertigt, die mit der Apple Watch eingeführt wurde und die als wesentlich haltbarer, stabiler und besser zu recyceln gilt. Ob sich viele Konsumenten für die neue Farbe Rosengold entscheiden werden, bleibt abzuwarten. Dafür dürfte der neue A9-Chip mit dem neuen M9-Koprozessor für Freude sorgen, weil das iPhone damit in allen Belangen mindestens um das Zweifache schneller wird. Davon profitieren auch die Touch-ID und die Datenübertragung per Wifi und LTE – alles mit deutlich mehr Speed.

Viel Energie haben die Entwickler in das Thema „Kamera“ gesteckt, weil das iPhone in diesem Punkt gegenüber den aktuellen Smartphones aus Asien ziemlich ins Hintertreffen geraten war. So hat die Rückseitenkamera jetzt 12 Megapixel und die Frontkamera ungewöhnliche 5 MP. Der Blitz soll der stärkste sein, den es in einem Smartphone gibt. Apropos: Für Selfies bei wenig Licht wird das Retina-Display selbst als Blitz fungieren – eine tolle, praxisgerechte Idee. Genau wie die Funktion „Live Photo“. Wird sie vor dem Knipsen aktiviert, nimmt die Kamera die anderthalb Sekunden vor dem eigentlichen Auslösen als Video mit Ton auf. Ein solches Live-Foto wird aber trotzdem und mit Animation als Foto gespeichert und verwaltet.

Viel Aufhebens macht Apple rund um den sogenannten 3D-Touch, der ja bereits von der Watch her bekannt ist. Im Prinzip wird die Stärke des Fingerdrucks ausgewertet – und zwar in drei Stufen. Das bedeutet in der Praxis, dass je nach Druck etwas ausgewählt oder geöffnet wird; die höchste Stufe bringt in aller Regel ein Kontextmenü aufs Display. Tausende Apps werden diese Funktion schon ab sofort unterstützen.

Vorbestellungen für die neuen iPhones werden in den Startländern, zu denen natürlich auch Deutschland zählt, ab dem 12. September angenommen. Zwei Wochen später wird ausgeliefert. Das Rollout für das neue iOS 9, das u.a. 3D-Touch bringt, beginnt am 16. September.

iPad Pro – die Alternative zum klassischen Computer

Rund um das gewaltige neue iPad ist im Vorfeld weniger in Sachen technischer Details gemutmaßt worden, sondern mehr darüber gerätselt worden, wie Apple das Ding zu positionieren gedenkt. Wie es dann präsentiert wurde, kam alles in allem dann doch überraschend. Denn das iPad Pro wird weniger als großes Tablet für Profis dargestellt als vielmehr als echte Alternative zum klassischen Desktop-Computer, aber auch zum Notebook. Und das mit vollem Recht.

Basis für diese Orientierung ist vor allem iOS 9, das ja endlich echtes Multitasking auf dem iPad erlaubt, und das darin enthaltene 3D-Touch. Mit diesem Rüstzeug hat Apple endlich die Nase auf Augenhöhe mit Microsoft Windows 10 auf einem Tablet. Die apple-freundlichen Softwareentwickler müssen Freudensprünge gemacht haben angesichts dieser Neuigkeit, denn nun laufen selbst komplexeste Anwendungen wie AutoCAD mit vollem Funktionsumfang auf dem iPad.

Größte Überraschung des Abends war aber die Präsentation eines Microsoft-Mitarbeiters, der live demonstrierte, wie wunderbar es sich mit Office nun auf dem 12,9-Zoll-Tablet arbeiten lässt. Das gilt auch für die Vorführung des Mannes von Adobe, der in knapp zehn Sekunden ein professionelles Layout für eine Magazindoppelseite zauberte. Übrigens: Das neue Maß ergibt sich aus einer einfachen Umrechnung – das iPad pro ist breit wie ein iPad Air hoch ist.

Auf dieser gewaltigen Fläche toben sich nun mehr als 5 Millionen Pixel aus, die von einem neuen speziellen Grafikchip intelligent gesteuert werden. Die Refresh-Rate wird den Bildinhalten angepasst, was erstens Strom spart und zweitens ein noch ruhigeres Bild mit sich bringt. Und weil das iPad Pro eben nicht nur ein Bürohengst sein soll, wurden vier Lautsprecher verbaut, die ebenfalls intelligent gesteuert werden, sodass man zum Beispiel beim Anschauen von Filmen immer den optimalen Sound hat.

Das alles ist technisch auf höchstem Niveau und in wunderschönstem Design verpackt. Wer dann noch das Keyboard-Cover als Zubehör erwirbt, hat de facto einen perfekten tragbaren Computer erworben. Übrigens kommt in diesem Keyboard die neue, platzsparende Tastentechnik zum Tragen, die aus dem neuen MacBook bekannt ist. Und obwohl Steve Jobs einst kategorisch behauptet hat, ein iPad brauche keinen Stift, wurde jetzt einer vorgestellt, der – und das löste milden Spott bei den Zuhörern aus – Apple Pencil heißt. Dieser Stift spielt ebenfalls an der technischen Pole Position seiner Art. Und dürfte Herstellern von Grafiktablets schlaflose Nächte machen. Denn wer ein iPad Pro mit Pencil hat, braucht ganz sicher kein Grafikbrett mehr.

Natürlich wird der Spaß ziemlich teuer. In der – für ernsthafte Arbeit eher sinnlosen – Einstiegsvariante mit 32 GB kostet das iPad Pro rund 800 US-Dollar. Spannend wird es mit ca.960 US-Dollar und 128 GB. Darüber liegt für ungefähr 1.080 US-Dollar die Version mit LTE. Das Keyboard-Cover wird 169 US-Dollar kosten und der Pencil 99 Dollar. Zusammengerechnet muss man also für ein iPad als Notebook-Ersatz rund 1.200 US-Dollar aufwenden. Weil die deutschen Preise in aller Regel dieselben Werte in Euro annehmen (plus Mehrwertsteuer) dürfte hierzulande von gut 1.400 Euro auszugehen sein.

Apple TV kann jetzt Siri

Um es ganz klar zu sagen: Wer bereits einen Smart-TV sein eigen nennt oder Google Chromecast oder Amazon Fire-TV an einem nicht ganz so smarten Fernseher betreibt, wird ausschließlich auf die irrwitzig gute Fernbedienung des Apple TV neidisch sein. Denn ansonsten ist die Settop-Box genau da, wo die anderen auch sind. Außer dass sie mit vermutlich mehr als 150 Euro Kaufpreis deutlich teurer sein wird. Diese schicke Fernbedienung hat ein Touchpad. Und kann damit praktisch alles steuern, was die Software des Apple-TV-Kästchens anbietet. Und dann noch eine Siri-Taste, mit der die Sprachsteuerung möglich wird. Was das praktisch bedeutet, zeigte eine Mitarbeiterin, der man den Spaß an der Sache deutlich anmerkte. Wer zum Beispiel sagt: „Siri, zeigt mir Action-Filme, aber keine mit James Bond, außer wenn Pierce Brosnan mitspielt“, kriegt genau die 007-Streifen zur Auswahl, in denen der gewünschte Schauspieler den Bond gab.

Natürlich sind alle apple-typischen Quellen von vornherein integriert: iTunes und Apple Music. Aber auch anderthalb Dutzend anderer Streaming-Kanäle von Netflix bis zur Baseball-Liga. Das alles – wie vom Smart-TV gewohnt – in Form von Apps. Und weil Apple hier komplett auf Apps setzt, ist das Apple TV recht eigentlich auch eine Gaming-Konsole. Denn es werden von Anfang an Hunderte Spiele im App-Store vorliegen. Die Palette reicht hier von lustigen Jump-&-Run-Games bis zu Warhammer und ähnlichen Knüller. Und weil die Fernbedienung entsprechende Sensoren hat, fungiert sie beim Spielen als kinetischer Controller.

Im Klartext: Bei Apple-Fans können die Konsolen-Anbieter über kurz oder lang einpacken, denn die werden vermutlich in Scharen zu Apple-TV überlaufen.

Bunte Uhren

Alle Zeichen deuten daraufhin, dass die Apple Watch kein Verkaufserfolg ist. Entsprechend wenig Aufmerksamkeit ernteten die wenigen Innovationen bei der Uhr. Dass es nun Sondermodelle in Kooperation mit Hermès gibt, wird kaum jemanden hochreißen, und auch die neuen Farben der Armbänder nimmt man gelassen hin. Das gilt auch für die neue Gehäusefarbe namens Rosengold.

Also blieb nicht mehr übrig, als erneut tolle Medizinfunktionen zu zeigen, die hierzulande massivst gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen. Also die Apple Watch auch nicht interessanter machen als vorher.

Fazit

Das iPad Pro ist ein Knüller, aber eben auch sehr, sehr teuer. Die iPhones 6s bieten wichtige Verbesserungen im Detail, und Apple TV ist eine Wunderkiste mit dem Potenzial, zur Unterhaltungszentrale im Hause Apple-Fan zu werden. Sensationen blieben aus, was zum Glück auch den Hype-Faktor auf ein gesundes Maß runterkühlte.

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