
Wenn irgendetwas in Deutschland wirklich Tradition hat, dann der Frühjahrsputz. Was sich spießig anhört, hat seine Wurzeln im bäuerlichen Jahresrhythmus: Im Winter war mangels ausreichender Heizung nicht gut putzen. So wie das Jahr mit den ersten frostfreien Tagen eingeläutet und die Felder bestellt wurden, so brachte die Bäuerin im Frühling auch das Haus auf Vordermann. Diese Gewohnheit hat sich bis heute gehalten. Wird aber merkwürdigerweise nur selten auf die Küche ausgeweitet. Dabei sollten die Elektrogroßgeräte mindestens zweimal im Jahr einer Intensivreinigung unterzogen werden.
Mehr Hygiene, weniger Energie
Während bei ganz aktuellen Kühl-Gefrierkombis die Steuerintelligenz dafür sorgt, dass sich im TK-Teil keine Eisschicht bildet, ist dies bei älteren Geräten der Normalfall. Aber bereits ein Eispanzer von nur einem Zentimeter Stärke kann den Stromverbrauch um 50 Prozent erhöhen. Also muss das Eis weg. Zumal noch dickere Gletscher im Schrank auch noch Platz wegnehmen und schlimmstenfalls dafür sorgen, dass man die Schubladen nicht mehr herausgezogen bekommt.
Aber auch im Kühlschrank bildet sich aus Wassernebel an verschiedenen Stellen, die nicht immer auf Anhieb sichtbar sind, Eis. Also heißt es: Abtauen! Nun verfügen Geräte der letzten Generationen durchweg über die sogenannte „Abtauautomatik“. Dieser Begriff verspricht aber mehr, als er halten kann, denn im laufenden Betrieb ist eine vollständige Entfernung von Eis gar nicht möglich. Außerdem sollte der fleißige Hausmann bzw. die fleißige Hausfrau dem Abtauen eine gründliche Innenreinigung folgen lassen – das ist gut für die Hygiene bei der Lagerung von Lebensmitteln.
Die Aktion beginnt mit dem Ziehen des Netzsteckers. Dann müssen der Kühlschrank und das Gefrierabteil vollständig ausgeräumt werden. Normale Lebensmittel können während der Putzphase einfach kühl und dunkel gelagert werden. TIPP: Für das Gefriergut empfiehlt sich eine mobile Kühlbox oder -tasche. Natürlich sollten dann die Kühlelemente vorher gut aufgeladen sein. Dann werden auch alle Einbauteile (Schubladen, Behälter, Fächer etc.) ausgebaut. TIPP: Die Teile der meisten nicht allzu alten Kühlkombis sind spülmaschinengeeignet, sollten dort aber im Schongang behandelt werden. Ganz wichtig: Vor dem Wiedereinbau müssen alle Teile sorgfältig und manuell getrocknet werden, weil jede eingebrachte Feuchtigkeit wieder für Eis sorgen kann.
Wo die Einbauteile nicht spülmaschinengeeignet sind, sollten sie im ausgebauten Zustand mit lauwarmem Wasser und einem milden Mittel gereinigt werden. Auch hier ist das Trocknen am wichtigsten. Auch die Türdichtungen sollten kontrolliert und gereinigt werden. Zeigen sich Risse, Brüche oder andere Beschädigungen, sind neue Dichtungen fällig, die es als Ersatzteile im Fachhandel gibt. Gesäubert werden die Dichtungen mit lauwarmen Wasser; auch sie müssen absolut trocken sein.
Abtauen beschleunigen
Beschleunigen kann man das Abtauen, indem man Schüsseln mit heißem Wasser in den Kühlschrank bzw. das TK-Abteil stellt und das Wasser austauscht, wenn es sich abgekühlt hat. Dicke Eispanzer müssen aber manuell entfernt werden. WICHTIG: Auf keinen Fall mit metallischen und/oder scharfen Gegenständen ans Eis gehen – Beschädigungen sind praktisch unvermeidbar. Lieber Holz- oder Kunststoffspatel benutzen. Mit welchem Werkzeug und Arbeitseinsatz auch immer: Am Ende der Aktion sollte gerade der TK-Schrank absolut eisfrei, sauber und trocken sein. Das gilt natürlich auch für die gute, alte Gefriertruhe, die einer solchen Prozedur unterzogen wurde.
Wenn man ohnehin am Kühlschrank arbeitet, bietet es sich an, ihn auch von außen zu säubern. Staubmäuse an den Wärmetauscherspiralen sind übrigens auch Stromfresser; also sollten auch diese, meist an der Rückseite zugänglichen Bauteile ordentlich sauber gemacht werden.
Ist dann alles blitzblank, werden alle Teile wieder eingesetzt, die Türen geschlossen und mit dem Abkühlvorgang begonnen. TIPP: Es bringt nichts, den Temperaturschalter anfangs auf das Höchstmaß einzustellen dadurch wird der Kühlschrank nicht schneller kalt. Man sollte den Kühlteil auf die gewohnte Stufe und das Gefrierabteil auf die optimale Temperatur von -18 Grad einstellen. Bei modernen Geräten wird die leere Kühl-Gefrierkombi nach zwei bis drei Stunden wieder die beste Temperatur haben. Erst dann sollten die Lebensmittel wieder eingeräumt werden.