Es ist ja oft wie mit diesen unsäglichen Handy-Videos, die nicht selten – womöglich im Hochformat aufgenommen – ein übles Gewackel mit quäkigem Sound sind. Denn auch mit der handflächengroßen Kompaktkamera ist es nicht einfach, gute Videos zu drehen, obwohl sie heutzutage samt und sonders über eine entsprechende Funktion für Bewegtbilder verfügen. Wobei man vornherein zwei verschiedene Einsatzzwecke unterscheiden muss: dokumentarisch oder mit Anspruch. Wenn nur eine Situation dokumentiert werden soll, reicht es, auf ausreichende Beleuchtung und einen Blickwinkel zu achten, der das Ganze umfasst. Spielt auch der Ton eine dokumentierende Rolle, muss man näher ran und versuchen, die Kamera von allen Fremdgeräuschen fernzuhalten.

 

Aber schon dann, wenn einzelne Sequenzen mit dem Originalton und ungeschnitten gezeigt werden sollen, lässt sich die Qualität mit ein paar einfachen Tipps deutlich verbessern:

 

  1. Besten Standort wählen: Im Grunde ist es wie beim Knipsen – scheint die Sonne voll aufs Objektiv, wird alles zum Schattenriss. Also sollte die Szene so gestellt werden, dass sie von der Sonne oder den vorhandenen Lichtquellen gut ausgeleuchtet wird. Übrigens: Wechselndes Licht macht Videos interessant.
  2. Kamera fixieren: Das geringste Wackeln stört, also sollte die Kamera während der Aufnahme fest stehen und nicht bewegt werden. Es reicht aus, wenn die Kamera fest auf einem ebene Untergrund abgestellt wird. Besser geht es mit einem Ministativ; für unter 10 Euro bekommt man winzige Dreibeinhalter mit verstellbaren Beinchen.
  3. Sinnvollen Ausschnitt wählen: Ist die Kamer fixiert, fällt jegliches Zoomen flach. Also ist es wichtig, den Ausschnitt vor dem Start der Aufnahme sorgfältig zu wählen, damit der Clip alles enthält, was er enthalten soll.
  4. Für Bewegung sorgen: Natürlich könnte man auch abfilmen, wie Farbe an der Wand trocknet. Interessanter wird’s, wenn sich im gewählten Ausschnitt etwas bewegt. Sind Menschen und/oder Tiere im Spiel, sollte man in Bewegung versetzen – egal wie…

 

Versucht sich der Kompaktkamerabesitzer als Jungfilmer, wird er aus verschiedenen Szenen später ein Video zusammenschneiden. Das geht zum Beispiel mit dem kostenlosen Windows Live Movie Maker und vielen Freeware-Programmen ganz gut. In diesem Fall spielt aber der Ton eine wichtige Rolle. Leider sind die Mikrofone an den Kompaktkameras alles andere als gut, sodass sie nur für O-Töne, die in unmittelbarer Nähe anfallen, halbwegs taugen. Also braucht es eine separate Tonspur. Die kann aus Musik bestehen (unbedingt das Copyright beachten oder lizenzfreie, kostenlose Musik im Internet suchen und verwenden), aus Geräuschen (eine Fülle Natur- und Stadtgeräusche findet sich zur kostenlosen Verwendung im Internet) und aus On- oder Off-Stimmen. Kleiner Trick: O-Töne mit dem Smartphone aufzeichnen – die Qualität ist deutlich besser als bei den Fotoapparaten!

 

Toll werden Familien-, Urlaubs- und Partyvideos, wenn Szenen nach professionellen Kriterien gedreht und spannungsvoll montiert werden. Ein ganz einfaches Rezept lautet: Totale à Schwenk à Close-up à Totale à Halbtotale. Und das bedeuten die Fachbegriffe:

 

Totale: Die Kamera erfasst möglichst den gesamten Raum, in dem sich das, was gezeigt werden soll, abspielt. Bei Außenaufnahmen ist es die Landschaft oder der Platz, wo sich die handelnden Personen bewegen, bei Innenaufnahmen ist es der Raum, in dem die Musik spielt.

 

Schwenk: Die Kamera bewegt sich bei einem Schwenk in einer Richtung. Also entweder horizontal von links nach rechts (oder umgekehrt) oder vertikal von unten nach oben. Weil Schwenks in der Totalen aus der Hand kaum möglich sind, empfiehlt sich die Anschaffung eines kleinen, schwenkbaren Stativs; die werden bereits für knapp 20 Euro angeboten.

 

Close-up (Nahaufnahme): Die Kamera rückt einer Person oder eine Gruppe dicht auf die Pelle, sodass alle Gesichter klar erkennbar werden; das geht gut aus der Hand, wenn man darauf achtet, dass die Kamera in der Waagerechten einigermaßen stabil bleibt; vertikale Wackler stören weniger.

 

Halbtotale: Wie der Name vermuten lässt, liegt diese Einstellung zwischen Totale und Close-up. Eine schöne Halbtotale entsteht, wenn von einer oder mehreren Personen nicht nur die Köpfe, sondern auch der Oberkörper zu sehen sind. Berühmt auch eine Halbtotale mit zwei Personen, bei der eine von hinten zu sehen ist. Nimmt man ein Gespräch auf, kann man dies durch Schuss à Gegenschuss schön auflösen; dabei wechselt die Kamera einfach die Perspektive, sodass einmal die eine, dann die andere Person im Vordergrund zu sehen ist.

 

Ein heikles Thema beim Filmen mit der Kompaktkamera ist das Zoomen. Ungefähr Dreiviertel aller Kompakten mit Videofunktion lassen das Zoomen während der Aufnahmen nicht zu. Damit hat sich auch schon. Beim Rest empfiehlt es sich aus zwei Gründen, auf das Zoomen zu verzichten:

 

  • Soll O-Ton verwendet werden, wird fast immer das Brummen des Zoom-Motors die Aufnahme stören.
  • DasBedienen des Zooms führt fast immer zum Verwackeln.

 

Eine echte Alternative besteht darin, mit der laufenden Kamera in beiden Händen etwa auf Bauchhöhe gehalten sachte auf das Motiv zuzugehen. Oder: Die Kamer am Lenker eines Fahrrads vertäuen und das Velo dann entsprechend zu schieben.

 

Fazit

 

Wer auf echtes Zoomen verzichten kann und ein paar Euro in ein kleines Stativ investieren mag, wird auch mit der Kompaktkamera Material für wunderbare Videos drehen und später mit Ton mischen und zum Film schneiden.

 

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