
Um es vorwegzunehmen und ganz deutlich zu machen: Wer einen modernen SmartTV besitzt, braucht keines der im folgenden vorgestellten Geräte, weil ein solcher Fernseher ohne weiteres Zubehör mit dem Internet verbunden werden kann und so auch Zugriff auf alle möglichen Streaming-Dienste bietet. Denn das ist die Hauptaufgabe der Boxen und Sticks: Inhalte aus dem Web auf einen Fernseher bringen. Wobei die drei wichtigsten Anbieter – Apple, Amazon und Google – sich noch nicht einmal auf eine gemeinsame Gattungsbezeichnung haben einigen können. Nennen wir die Dinger also einfach Streaming-Boxen und
–Sticks.
Apple TV – die dritte Generation
Nach dem Hersteller wie Asus und auch Acer schon vor fast zehn Jahren solche Devices, wenn auch mit mäßigem Erfolg, auf den Markt gebracht wurde, setzte Apple Ende 2007 nach und präsentierte Apple TV, eine – wie es damals hieß – „Set-Top-Box“, die medialen Content (Fotos, Musik, Videos) aus verschiedenen Quellen auf einen Fernseher bringen konnte. Anfangs stand das Streamen von Inhalten von den verschiedenen Datenträgern im heimischen Netzwerk auf ein TV-Gerät. Im Grunde handelte es sich bei der ersten Generation Apple TV um aufs Wesentliche reduzierte Macintosh-Computer mit eingebauter Festplatte und eigener Fernbedienung. Tatsächlich lief auf diesen Boxen das Betriebssystem OS X. Entsprechend teuer waren die Kisten, und entsprechend wenig Anklang fanden sie.
Erst mit der zweiten Generation, die den Zugriff aufs Internet und folgerichtig iOS als Betriebssystem brachte, kam der Erfolg. Besonders die Verbindung mit iTunes, dem Apple-Onlineshop für Medien aller Art verlief reibungslos und machte Apple TV besonders für Besitzer von iPods und iPhones und später iPad so attraktiv, dass inzwischen über 70 Prozent der Nutzer von Apple-Geräten auch ein Apple TV besitzen. Die aktuelle Generation wird nun auch mit deutlichem Schwerpunkt auf Content aus dem Web verkauft, besonders auf Video im 1080p-HD-Format (Videoclips, Kinofilme, Serien) – und zwar zum Preis von 79 Euro. Mit dem Fernseher wird die Box per HDMI-Kabel verbunden, mit dem Netzwerk am besten im Wlan per AirPlay, aber auch über Ethernet ist der Anschluss möglich. Audio-Inhalte können über eine optische Schnittstelle an ein entsprechendes Ausgabegerät gebracht werden.
Fazit: Für Besitzer und Nutzer von Apple-Geräten (Mac, iPhone, iPad und iPod) ist das Apple TV immer noch die beste Wahl; für Kunden des iTunes-Stores, die ansonsten nicht in der Apple-Welt leben, kommt diese Streaming-Box aber auch in Frage.
Amazon Fire TV und Fire TV Stick
Im Grunde ist die Fire-TV-Box von Amazon wie Apple TV ohne iTunes. Oder genauer: Was bei Apple iTunes, ist bei Amazon Instant Video, das Video-Streaming-Angebot des Großversenders. Auch diese Box streamt 1080p-Material und übermittelt sogar Dolby-Surround-Sound. Weil Fire TV mit einem eigenen Grafikprozessor und einem internen Speicher von 2 GB ausgerüstet ist, bringt es die optimale Qualität immer auch ruckelfrei. Darin unterscheidet sich das Amazon-Teil nicht von Apple TV. Das leisten drei Eigenschaften, die eine Fire-TV-Box einfach nutzbar machen. Der Zugang zum Amazon-Angebot über das eigene Amazon-Konto ist vorkonfiguriert; man kann sofort loslegen und Musik und Filme aus dem Versandangebot kaufen bzw. leihen. Die ASAP-Funktion sorgt dafür, dass Inhalte nicht erst geladen werden, wenn man einen Stream startet, sondern schon bei der Auswahl gebuffert werden. Und schließlich verfügt die Fernbedienung der Fire-TV-Kiste über eine ausgezeichnet funktionierende Sprachsteuerung. Sagt man „Clooney“, werden sofort alle verfügbaren Filme und Serien mit dem schönen George auf dem TV-Display angezeigt. Mit 99 Euro ist dieser Spaß allerdings ein bisschen teurer als das Apple-Angebot.
Wer bloß streamen will, für den ist das der Amazon Fire TV Stick vielleicht die bessere Wahl. Für 39 Euro gibt es einen Stecker, der einem USB-Speicherstick in Form und Größe ähnelt, und einfach in einen freien HDMI-Anschluss des Fernsehers gesteckt wird. Auch zum Stick gibt es eine Fernbedienung, aber ohne Sprachsteuerung. Weil die Konfiguration (also hauptsächlich der Wlan-Zugang und die Amazon-Konto-Daten) auf dem Stick gespeichert sind, kann man das Ding einfach rausziehen und in ein anderes Ausgabegerät mit HDMI-Anschluss stecken – sofort geht’s weiter mit dem Streamen. Steuern kann man den Stick nicht nur per Remote Control, sondern auch App; kostenlose Versionen für Android und iOS stehen bereit. Und mit denen ist es dann auch möglich, den jeweiligen Bildschirminhalt vom Smartphone oder Tablet auf den Fernseher zu übertragen. So kann man beispielsweise Spiele-Apps auf dem großen Schirm spielen.
Fazit: Die Amazon Fire TV Box steht Apple TV in nichts nach und ist besonders für Amazon-Instant-Video- bzw. Prime-User sehr zu empfehlen. Der Fire TV Stick ist dagegen besonders interessant für Menschen, die häufig medialen Content und Spiele über mobile Geräte holen und diese auf einem Fernseher genießen wollen.
Google Nexus TV und Chromecast
Ganz neu im Angebot für deutsche Konsumenten ist das Nexus TV von Google, das wie sein Hauptkonkurrent von Amazon 99 Euro kostet. Betrachtet man die reinen Leistungsdaten, liegt Nexus TV auf Augenhöhe mit Amazon Fire TV und Apple TV. Während die Apple-Box natürlich auf iOS läuft, sind die Kisten von Amazon und Google Android-Geräte. Deshalb unterscheidet sich bei den beiden letztgenannten weder das Angebot an Apps, noch das Bedienkonzept wirklich stark. Der Unterschied besteht darin, welche Angebote wie leicht erreichbar sind. Nexus TV bietet den einfachsten Zugriff – und das wundert nicht weiter – auf YouTube und Google Movies. An Amazon Instant Video oder gar iTunes kommt der Nexus-Besitzer aber nicht so ohne weiteres heran. Im besonderen Maße empfehlenswert ist die Google Streaming-Box aber für Netflix-Abonennten, die schnell und einfach in den Streaming-Dienst ihrer Wahl kommen.
Deutlich länger auf dem Markt ist der Streaming-Stick von Google namens Chromecast. Der kostet 35 Euro und war ganz offensichtlich das Vorbild für Amazons Fire TV Stick. Die Unterschiede liegen im Detail: Ähnlich wie Apple TV gibt es keine Fernbedienung für das Chromecast – gesteuert wird per App, die nebenbei einige Funktionen hat, die per Remote Control nicht machbar sind. Außerdem verfügt Chromecast nur über ein Singleband-Wlan-Modul, was in der Praxis beim Empfang aus dem Internet in seltenen Fällen zum Ruckeln führen kann.
Fazit: Wer sich nicht an Amazons Angebote ketten will und nicht in der iOS-Welt lebt, ist mit Nexus TV und Chromecast gut bedient. Umgekehrt eignen sich die Google-Streaming-Geräte nicht so gut für Amazon-Instant-Video-Abonnenten.
Eine Frage der Streaming-Abos
Über alles betrachtet ist das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines Streaming-Gerätes die Frage nach den Abos bzw. den bevorzugten Diensten. Denn kein Kandidat bringt alle Streaming-Dienste. Da sind die aktuellen Smart-TVs – besonders die von Samsung und LG – den Boxen und Sticks überlegen. Wer ansonsten Apple- und iTunes-Nutzer ist, bekommt über den iTunes-Shop viele Inhalte, die ansonsten von konkurrierenden Streaming-Services angeboten werden. Und die beiden Geräte von Google bieten beide die Möglichkeit, Content vom Mobilgerät auf den Fernseher zu streamen; da es Streaming-Apps für alle Anbieter gibt, kann man die Einschränkungen auf Nexus TV und Chromecast umschiffen. Bei Fire TV ist man dagegen auf die Auswahl an Streaming-Diensten angewiesen, die Amazon installiert – zum Glück sind Spotify, Netflix und YouTube dabei.